Herman Bang schreibt seinem Verleger einen Brief
Bücher, Manuskripte und Briefe von Herman Bang (1857-1912)
(Fasanenstr. 30, 10719 Berlin)

Herman Bang schreibt seinem Verleger einen Brief
Bücher, Manuskripte und Briefe von Herman Bang (1857-1912)
(Fasanenstr. 30, 10719 Berlin)

herman bang schreibt seinem verleger einen brief<br>installation view galerie buchholz, berlin 2012

Herman Bang schreibt seinem Verleger einen Brief
Installation view Galerie Buchholz, Berlin 2012

Freitag, 29. Juni 2012Samstag, 25. August 2012


Cologne, Germany

Herman Bang schreibt seinem Verleger einen Brief
Bücher, Manuskripte und Briefe von Herman Bang (1857-1912)

zusammengestellt von Henrik Olesen & Daniel Buchholz
29. Juni, 2012 – 25. August, 2012
Eröffnung am Freitag, dem 29. Juni, 2012
19.00-21.00 Uhr

Anlässlich des 100. Todestages von Herman Bang (1857-1912) zeigen wir Bücher, Manuskripte und Briefe des dänischen Autors, Schauspielers, Rezitators und Dramaturg, zusammengestellt von Henrik Olesen und Daniel Buchholz.

Herman Bang war einer der wichtigsten und meistübersetzten dänischen Autoren der frühen Moderne. Er hatte großen Einfluss auch auf einige deutsche Literaten, vor allem auf Thomas Mann, der sich sein ganzes Leben mit Bang auseinandersetzte.

Er wurde 1957 auf der Insel Alsen (DK) geboren. Nach einem Jura- und Staatswissenschaftenstudium beginnt Hermann Bang 1878 seine journalistische Tätigkeit bei der Zeitschrift "Jyllandsposten" und 1879 bei der "Nationaltidende" als einer der ersten Gesellschaftsreporter überhaupt.
Bang wurde für den Inhalt seines ersten Romans "Hoffnungslose Geschlechter" mit der Begründung "unzüchtig im Sinne des Strafgesetzes" zu einer Geldstrafe verurteilt. Gleich zweimal in seinem Leben ging Bang nach Deutschland ins Exil, zum ersten Mal 1885-1887 nach Berlin (1886 Ausweisung aus Berlin wegen eines kaiserkritischen Artikels in der norwegischen Zeitung „Bergens Tidende“) dann nach Meiningen (Begegnung mit dem Schauspieler Max Eisfeld) und München, von wo er dann weiterreiste nach Wien und Prag. Bei seinem zweiten Exil wohnte er zwischen 1907-1909 in Berlin in der Fasanenstraße 58. Herman Bang starb 1912 auf einer Vortragsreise in einem Zug in den USA.

Im Mittelpunkt unserer Ausstellung stehen Herman Bangs Briefe an seinen Verleger Hirschsprung, die er zum Teil noch in Dänemark lebend und kurz vor der Abreise nach Deutschland geschrieben hat. Den anderen Teil schrieb er aus seiner Wohnung in der Fasanenstraße. Es sind persönliche Dokumente, meist Bettelbriefe in denen es immer wieder um Geldforderungen geht. Aber auch um Schreibblockaden und Sinnkrisen und das Ringen um das Schreiben als solches. Zunächst schreibt er förmlich, später dann freundlicher „lieber Hirschsprung...“, was die zunehmende Freundschaft und Vertrautheit zu seinem Verleger belegt. Seine Traurigkeit, die Unglückszenarien, die geschildert werden und seine Geldnot kommen hier zum Ausdruck. Er erinnert auch an die grundsätzlichen Probleme von künstlerischer Arbeits- und Lebensweise. Dabei ist zu bedenken, daß der Brief als Kommunikationsmittel zu Zeiten Bangs natürlich eine andere Funktion und einen anderen Status hatte.

Außerdem werden Originalmanuskripte von einigen Gedichten (in Dänemark erstmals 1889 unter dem Titel "Digte" erschienen) unter anderen auch ein unveröffentlichtes Gedicht, sowie ein Entwurf für ein Theaterstück (ebenfalls unveröffentlicht), neben Zeitungsartikeln (u.a. in der deutschen Zeitschrift "Der Sturm") gezeigt.
Viele zeitgenössische Karikaturen belegen seine große Popularität, aber auch, daß er Zeit seines Lebens Angriffen ausgesetzt war, gehetzt und verfolgt wurde. Zum einen wegen seines Aussehens (er hatte ein Glasauge und ein hängendes Lid) und seiner dandyhaften Kleidung aber vor allem wegen seiner offen gelebten Homosexualität.

Einige seiner wichtigsten Werke sind:
"Realismus und Realisten" (1879);
"Hoffnungungslose Geschlechter" (1880);
"Exentrische Existenenzen" (1885);
"Am Wege" (1886);
"Stuk" (1887);
"Tine und Digte" (1889);
"Ludwigshöhe" (1896);
"Das weiße Haus" (1898);
"Das graue Haus" (1901);
"Michael" (1904);
"Die Vaterlandslosen" (1906);
"Gedanken zum Sexualitätsproblem" (1907, erschienen 1922)

Einige seiner Werke wurden verfilmt, u.a.:
„Michael“ von Moritz Stiller (1916) und Carl Theodor Dreyer (1924);
„Die vier Teufel“ von A.W. Sandberg (1920);
„Four Devils“ von Friedrich Wilhelm Murnau (1928)

Die Galerie ist vom 14.-18. August, 2012 geschlossen.