Daniel Berset: Visages

Daniel Berset: Visages

untitled by daniel berset

Daniel Berset

Untitled

untitled by daniel berset

Daniel Berset

Untitled

untitled by daniel berset

Daniel Berset

Untitled

Donnerstag, 8. November 2012Samstag, 2. Februar 2013


Geneva, Switzerland

Daniel Berset
Visages

Temperamalerei auf Holz

8. November 2012 bis 2. Februar 2013
Vernissage: 8. November 2012 – 18 Uhr

Ein Platz war frei : Die Stuhl-Skulpturen von Daniel Berset sind immer leer. Keine Seele die diese Kunststühle bewohnen würde, nicht ein einziges Pobacken-Paar das sich niederlassen würde. Wir wissen ja, Daniel Bersets Werke sind nie nur Stühle. Sie sind entweder amputiert, oder werden von ihren Schatten dominiert, sie können von Stahlrohren durchbohrt sein, oder zerschunden, oder ganz einfach die Beine in die Höhe streckend, am Boden siechen. Der Künstler setzt die Kunststühle jenen Peinigungen aus, denen ansonsten der menschliche Körper ausgesetzt ist. Deshalb ist die menschliche Figur in seinen Werken abwesend. So spricht er seit dem Beginn der achtziger Jahre am Beispiel des unter den Tisch geschobenen Vierbeiners nur von uns, den Zweibeinern! Und in diesem Sinne kennen wir Daniel Berset nur als Objekt-, Installations-, Skulptur-, ja Raum-Künstler. Seine Welt ist streng, der Humor ist nicht im Bild, er läuft über die Sprache, eine Welt beinah ausschließlich in Schwarz und Weiß gehalten, wenn er überschwänglich wird, kann’s grau werden. Und so ist die Farbe wie die menschliche Figur in seinem Werk nicht gegenwärtig!

Doch jetzt in der Reife des Lebens dreht der Künstler den Spieß um. Und mit großem Erstaunen entdecken wir Daniel Berset als Maler, und was für einen! Einen wahrhaftigen Koloristen. Doch aufgepasst, da gibt’s keine Landschaften und auch keine Blumensträuße (auch wenn er einst mit Vasen arbeitete). Er geht direkt ans Lebendige. Es ist der Mensch der ihn nicht los lässt. Und zum ersten Mal nimmt er sich nichts anderes als die menschliche Psyche und dessen Spiegel, unser Konterfrei vor! Nichts Geringeres. Mögen noch so viele das Ende des Portraits ausgerufen haben, er arbeitet sich ab, da wo wir am einmaligsten und auch am nacktesten sind: im Gesicht!

Mögen seine Pinsel zuvor mal mit Tusche Federn evoziert haben, oder nackte Pornokörper mit Gouache zugedeckt haben, jetzt sucht er mit ihnen nicht nur unser einmaliges Antlitz wiederzugeben, sondern einmalige Momente wo wir mit unseren Gesichtsaudrücken etwas Zurückgehaltenes preis geben: Mit Tempera und auf 26 auf 26 Zentimetern kleinen Holzstücken. Was die Fotografie – die ihm als Modell dient – nicht hergeben kann, weil sie zu sehr an die greifbare Realität gebunden ist, erfasst der jüngst in ihm erwachte Maler mit Farben die mit der fotografischen Vorlage überhaupt nicht übereinstimmen, aber das zu vermittelnde Gefühl um so genauer erfassen. Genauso geht er mit akademischen Kompositionsregeln um, ohne deshalb ins Expressionistische zu kippen – auch wenn er z.B. immer wieder Kokoschka zitiert. Er treibt dieses Spiel zeitweise so weit, dass sich die Dargestellten nicht widererkennen (wollen)! Er mag zum Beispiel gewisse Gesichtszüge wie Vallotton beinah plakativ wiedergeben, kippt dann aber in der malerischen Umsetzung einer Wange ins Sfumato der Renaissance.

Überraschend ist nicht nur dieser Wendepunkt in seinem Werk, sondern auch die Position die er mit diesen gemalten, eng gerahmten Gesichtern einnimmt. Fern liegt ihm eine zynische Haltung! Keine Entzauberungs-Feiern, keine Kritik unserer alltäglichen Barbarei die uns im Hyperkapitalismus immer weiter auseinander driften lässt, die immer mehr die einen gegen die anderen aufbringt, fern der immer hörbarer werdenden Apokalypsenanbeter – aber auch genauso fern der gläubigen Integristen aller Couleur, gibt uns der Künstler Frauen und Männer zu sehen denen eine Kraft innewohnt, eine nüchterne Gelassenheit, die sich widerspiegelt in ihren Blicken voll von Hinterfragung, verstecktem Humor, konstruktivem Zweifel, erlebter Freuden. Allen wohnt dieses gewisse Etwas inne, das wir nur vermuten mögen, uns jedoch näher treten lässt, Neugier erweckt, bis wir sogar versucht sind, uns mit einer Frage an die gemalten Gesichter zu wenden. Wetten, dass – würden sie uns antworten – alle Daniel Bersets Stimme hätten!

Joerg Bader